Solidarität ohne Grenzen

Valeria Guzmán

Colegio Alemán. Grado doce.

Leer

Unsere derzeitige Welt ist eine Katastrophe. Es gibt keinen Weltkrieg, gekämpft wird jedoch in jedem Land. In Lateinamerika wird ein Kampf gegen Guerillas, Schmuggel und Drogenhandel geführt; in Asien unter anderem gegen Überbevölkerung, Armut, schlechte Löhne, Minderheiten benachteiligende Gesetze. Und in Europa gibt es momentan einen Krieg sowohl für als auch gegen Flüchtlinge. Letzterem, Kriegsgeschehen‘ möchte ich mich in diesem Aufsatz widmen und das Thema Migration aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ein von mir entworfener, zukunftsorientierter Ansatz zeigt, dass Flüchtlinge nicht länger automatisch mit Terrorismus, sondern mit der Idee der Humanität in Verbindung gebracht werden sollten.

Was aber ist Migration? Migration ist eine Bevölkerungsbewegung, die dadurch zustande kommt, dass Menschen meist aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen ihren bisherigen Lebensort verlassen, weil anderswo die Aussicht auf ein besseres Leben besteht. Soweit die Definition. Hinter diesen Umschreibungen steckt aber, dass diese Menschen durch Gewalt, durch Zwang, Krieg und andere Unmenschlichkeiten aus ihrem bisherigen Lebensraum verdrängt werden. Sie verlieren ihre Heimat. Nun könnte man sagen, dass sie ja eine neue finden, aber genau an dieser Stelle werden wir auf das eigentliche Dilemma der Migration gestoßen. Denn: Was ist das Problem der Migration? Der Ausschluss. Flüchtlinge klopfen an die Türen vieler Länder, um Asyl zu erbitten, aber in den meisten Fällen ist die Antwort negativ. Laut Zygmunt Bauman verleugnen wir etwas, ohne darüber nachzudenken, dass unsere Vorfahren schon Migranten waren, dass im Grunde jeder Mensch einen Migrationshintergrund hat: „Migrationen sind nicht neu, sie haben immer existiert und sind ein zeitloses Problem.“[1] Ohne Migrationsbewegungen hätten sich die heutigen Gesellschaften nicht bilden können; das politische, soziale und wirtschaftliche System, in dem wir leben, gäbe es derart nicht.


[1] Bauman, Z. (2016): Extraños llamando a la puerta. Barcelona, España: Editorial Paidós.

Eine Gesellschaft basiert unter anderem auf drei unterschiedlichen Prinzipien: Eines ist die Offenheit gegenüber wirtschaftlichen Impulsen außerhalb des eigenen Landes, dann die Möglichkeit sich kulturell zu erweitern und bereichern zu lassen, Multikulturalität genannt, und schließlich ein kulturell offenes Land zu sein, eine Kultur der Offenheit zu pflegen. Das erste Prinzip beinhaltet sowohl wirtschaftlichen Neuerungen gegenüber offen zu sein, um Arbeit und Arbeitsstile weiterentwickeln zu können, als auch Bewährtes zu wahren, um finanzielle Stabilität zu sichern. Multikulturalität bedeutet, die eigenen Bräuche und das tägliche Leben um andere Traditionen aus anderen Kulturen zu erweitern und sich dadurch in Freizeit, Sprache und Kulinarik bereichern zu lassen. Eine Kultur der Offenheit leben heißt schließlich, Grenzen zu durchbrechen und zu sehen, dass alle Nationen mit ähnlichen Situationen umgehen müssen.

Für Bauman kommen nicht nur „Fremde“ aus anderen Ländern, sondern wir alle. Diese neuen Kräfte tragen nicht nur zur sozialen, sondern auch zur finanziellen Stabilität eines Landes bei. Je mehr Einwohner es in einem entwickelten Land gibt, desto mehr Arbeitskräfte wird es geben, was die Wirtschaft unterstützt. Die Vorteile von Flüchtlingen, wenn sie am Arbeitsmarkt partizipieren dürfen, sind, dass sie häufig nicht erwarten, ein Unternehmen zu führen, sie wollen oft nur Arbeit haben und in Frieden leben. Dies geschieht zum Beispiel in Irakisch-Kurdistan. Es gibt mehr als 300.000 syrische Flüchtlinge im Land, die Arbeitsplätze, wie Kellner, Hausmeister und andere Niedriglohnjobs, besetzen, die Einheimische nicht wollen. Im Falle Deutschlands, wo Migranten zudem mit einer völlig neuen Sprache konfrontiert sind, bietet die Regierung ihnen Arbeit an, bei der Kommunikation kein Problem ist und unterstützt sie zusätzlich beim Lernen der Sprache. Flüchtlinge verdienen ihren Lebensunterhalt mit Würde, sie bringen ihre Familien voran und sind gleichzeitig im Gastland produktiv.

Auf der anderen Seite erweitert und bereichert die Einwanderung neuer Menschen ein Land. Multikulturalität ist die direkte Folge von Migration. Es leben nicht nur einfach zwei oder mehrere Kulturen auf demselben Territorium zusammen, sondern diese Kulturen teilen ihre Bräuche, lernen einander kennen, teilen Sprache, Religion und Kulinarik. Die Flüchtlinge sind nicht die Einzigen, die sich an das Gastland anpassen müssen, zum Beispiel an Deutschland; sie sind nicht die Einzigen, die versuchen, eine neue Sprache zu lernen. Das Ankommen dieser Personen stellt auch für viele Deutsche einen Anreiz dar, Türkisch, Arabisch oder andere Sprachen zu lernen. Migration trägt vermehrt Themen wie Respekt und Gleichheit in die Gesellschaft und wir konzentrieren uns nicht mehr auf die Mehrheit einer Gesellschaft, sondern wir versuchen alle zufrieden zu stellen. Überall in Europa gibt es nicht mehr nur katholische Kirchen, denn es sind überwiegend katholische Länder, die Europa bilden, ganz im Gegenteil, gibt es mittlerweile viele Moscheen und Kulturzentren anderer Glaubensrichtungen. Ein anderes Beispiel für Multikulturalität kommt aus dem kulinarischen Bereich und heißt Döner. Es handelt sich um eine türkische Spezialität, die mittlerweile auf der ganzen Welt zubereitet wird. Ohne Migration hätten wir folglich auch keinen Austausch von Gewürzen, Aromen und kulinarischen Besonderheiten.

Schließlich gilt der Begriff ‚geschlossenes Land‘ leider noch für viele Länder. Ziel muss aber sein, ihn weitestgehend abzuschaffen. Die Tatsache, dass eine Grenze geschlossen wird, offenbart die Angst eines Landes, mit Migration nicht umgehen zu können oder vielleicht auch nicht umgehen zu wollen. Ein Staat klammert sich sozusagen an seine Grenzen und an seine Identität, um sie bewahren zu können. Die Welt gehört uns allen und obwohl sie in Länder unterteilt ist, sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, ein Territorium ohne irgendwelche Restriktionen und Unannehmlichkeiten betreten und verlassen zu können. Wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten, aber im Menschsein sind wir alle gleich.

In Deutschland war vor zwei Jahren die Flüchtlingsproblematik zu einem sozialen, politischen und wirtschaftlichen Problem geworden. Mehr als 890.000 Menschen kamen ins Land. Die Situation im Jahr 2015 war so, dass viele Länder Flüchtlinge aufnehmen sollten, es aber aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen nicht taten. Daher haben Länder wie Deutschland oder Schweden mehr Flüchtlinge als vorgeschrieben erhalten. Es war keine Pflicht, sondern ein Zeichen der Solidarität und der Menschlichkeit. Dies zeigt uns, dass nicht Waffengewalt, Schließung von Grenzen oder Angriffe auf problematische Länder die Lösung für diese Migration sind, sondern im Gegenteil eine Willkommenskultur[2]. Wenn wir Türen öffnen, zeigen wir, dass wir uns nicht von Terrorismus, Anschlägen und Attacken einschüchtern lassen. Und wer würde der Welt dann noch schaden können?


[2] Vgl. Bauman, Z. (2016): Extraños llamando a la puerta. Barcelona, España: Editorial Paidós.

Deshalb gibt Deutschland die Richtlinien vor und lehrt die Welt, warum sie gegen die Segregation kämpfen muss. Deutschland macht uns vor, was wir selbst tun könnten und dass es immer eine zweite Chance gibt, sollte man einmal falsch liegen. Statt Waffen in Syrien oder dem Irak herstellen zu lassen, um damit den Terrorismus in genau diesen Ländern zu bekämpfen, sollte laut Pierre Baussand Geld in Inklusion- und Integrationsprogramme investiert werden.[3] Schließlich fördert der Terrorismus die Ausgrenzung, die Angst, die Ablehnung der anderen, die doch eigentlich gar nicht anders, sondern genau wie wir sind. Dieses Propagieren der Andersheit gibt dem Terrorismus Raum, Hass zu erzeugen und Angst zu schüren. Dem kann nur immer wieder ein Höchstmaß an Humanität entgegengesetzt werden, womit jeder einzelne Mensch bei sich selbst beginnen kann.


[3] Hinojosa, S. (2017): ‘Extraños llamando a la puerta’: La mirada de Bauman a la migración.

The End.

Gracias por leer mi escrito.