Der Briefroman

Estefanía Baena

Colegio Alemán. Grado once.

Leer

Der Briefroman ist eine besondere Form des Romans, in dem die gesamte Erzählung durch Briefe vermittelt wird. Dies ist eine Erzähltechnik, bei der ein oder mehrere Briefverfasser bzw. Erzähler auftreten.[1] Dadurch kann man eine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erleben. Für gewöhnlich sieht sich der Leser zu Beginn des Briefwechsels mit ihm unbekannten Personen konfrontiert, bekommt aber im Laufe der Korrespondenz immer mehr Einblick in die intime Gefühls- und Gedankenwelt der Erzähler. Obwohl diese subjektiven Ansichten eng mit dem Thema Liebe verbunden sind, gibt es auch andere Themen, die Gegenstand sein können.


[1] Rojas Portilla, Erika (2012): Novela epistolar.

Der Briefroman wurde seit seinen Anfängen im XVIII. Jahrhundert sehr gut aufgenommen und hat der Literatur aus unterschiedlichen Gründen Neuerungen gebracht. Die erste Neuerung ist, dass die Erzähler Einblicke in ihr Privatleben geben und sich auf diese Weise ein intimer Erzählcharakter entwickelt; die zweite besteht darin, dass diese Art von Literatur das Ziel hat, einige Charakteristika der Gattung Roman zu verneinen, um so eine neue literarische Untergattung zu etablieren. Für diese ist schließlich auch das Spiel mit unterschiedlichen Formen der Kommunikation zentral.

Der Briefroman offenbart viel Privates und die Kombination zwischen Inhalt und Form unterstützt letztlich den Wahrheitsgehalt. Im Laufe der brieflichen Korrespondenz entsteht ein Vertrauen in die Briefe sowie Intimität, wodurch sich eine Art poetische Verwandlung des Erlebten vollzieht, da der Leser es durch seine Vorstellungskraft vereint[2]. Der Inhalt der Briefe präsentiert sich als authentisch und wahr, was auch durch den Aspekt der Intimität unterstützt wird. Dem Leser gelingt es so noch leichter, in die persönliche und geheime Perspektive des Protagonisten einzutauchen. Die Tatsache, dass die Privatwelt des Subjekts wahrhaftig erscheint, liegt auch darin begründet, dass sich die am Briefwechsel beteiligten Erzähler im weitesten Sinne kennen. Beide können sich guten Gewissens einander anvertrauen. Zudem ist der Briefroman in der ersten Person geschrieben, was ebenfalls als Echtheits- und Wahrheitsgarantie dienen soll, da die Offenbarung von Intimitäten für die Vorstellung sorgt, dass das, was man sagt, wahr ist. Der Leser schenkt den Inhalten sein Vertrauen und wird jedes Mal, wenn er liest, von den Geheimnissen, die er entdeckt, überrascht und beunruhigt.


[2] Cierzo (2004).

Laut Kurt Spang enthält der Briefroman Charakteristika der Gattung Roman und gleichzeitig werden ihm weitere, nicht romanspezifische, hinzugefügt[3]. Diese Untergattung verneint geradezu einige romanhafte Merkmale oder wandelt sie um. Ein solches Merkmal ist das autobiografische Erzählen. Dieses bezieht sich auf die Passagen, die einen Erzähler haben, der gleichzeitig aber auch inhaltlicher Gegenstand der Briefe ist. Es sollte zudem erwähnt werden, dass diese Person weder Schriftsteller ist noch die Absicht hatte, einen Roman zu schreiben, der dann veröffentlicht wird. Ganz im Gegenteil sollte nur ein Brief geschrieben werden, was eine authentische Wirklichkeit unterstreicht.

 

 

 

 


[3] Spang, Kurt (2000): La novela epistolar. Un intento de definición genérica.

Diese Art von Büchern suggeriert also, dass der Autor wirklich nichts eigens verfasst, sondern lediglich Briefe oder Texte zusammengestellt und abgeschrieben hat, die er schon früher verschickt hatte. Der romanhafte Charakter des Buches wird dadurch verneint.

Was schließlich die Kommunikationssituation in Briefromanen angeht, so lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehört die polylogische Kommunikation, in der es einen Dialog von mindestens zwei Personen gibt, nämlich Sender und Empfänger. Zwischen beiden besteht eine wechselseitige Kommunikation, weshalb der Leser, laut Kurt Spang, die Reaktionen der am Briefwechsel beteiligten abschätzen kann. Die monologische Kommunikation gehört zur zweiten Gruppe und besteht aus vielen Briefen desselben Absenders. Dieser Briefverfasser erhält keine Antwort, es ist meistens aber möglich, sich diese mittels der Reaktion des Absenders und mittels des Kontextes vorzustellen. Unter die dritte und letzte Gruppe fällt schließlich die gemischte Kommunikation, in der es neben den Verfassern der Briefe eine weitere Stimme gibt[4]. Diese kann ein Erzähler sein, der normalerweise erklärt, wozu der Schriftwechsel dient und an wen er gerichtet ist. Außerdem hat dieser Erzähler die Möglichkeit, Kommentare hinzuzufügen.


[4] Spang, Kurt (2000): La novela epistolar. Un intento de definición genérica.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Briefroman in der Literatur viel erneuert hat, da durch ihn weitere Möglichkeiten und Formen entstanden sind, Gedanken zu Papier zu bringen. Deutlich wird dies im Bereich der Privatsphäre, denn bevor der Briefroman auftrat, war es sehr schwierig, Vertrauen in das, was die Personen sagten, zu haben. Diese briefliche Korrespondenz aber suggeriert eine Garantie auf Authentizität. Positiv zu bewerten ist, dass die Briefromane neue Merkmale, wie autobiografisches Erzählen, enthalten, was die Form des Romans verändert. Dank dieser Untergattung gibt es auch neue kommunikative Strukturen und man kann abschließend festhalten, dass der Briefroman für eine Bereicherung in der Literatur gesorgt hat.

The End

Gracias por leer mi escrito.